DIE STIFTUNG: Führt denn an Wirkungsmessung überhaupt noch ein Weg vorbei?
Roy: Das ist eine der großen Fragen, zu der es auch innerhalb der Teilnehmerschaft unterschiedliche Ansichten gab. Der überwiegende Teil war der Meinung, dass Social Investment und Venture Philanthropy Wege sind, die in Zukunft immer mehr beschritten werden. Daten der EVPA untermauern das. Und wenn dem so ist, gehören natürlich die Wirkungsmessung und die Wirkungsorientierung per definitionem zwingend dazu. Es gibt trotzdem Akteure, die in Frage stellen, ob diese Förderinstrumente tatsächlich so bedeutend werden, wie man sie momentan macht. Hierbei kam das Stichwort einer Wirkungsblase auf, die auch platzen könne. Das wichtigste Argument hierfür: Die Summen sind immer noch überschaubar, die auf diesem Wege in den sozialen Sektor investiert werden. Insgesamt kann man aber sicher sagen, dass Wirkungsmessung selbst kein Trendthema ist, das kommt und dann wieder verschwindet, sondern Wirkungsmessung ist gekommen, um zu bleiben.
DIE STIFTUNG: Wer hat denn das Stichwort von der Wirkungsblase in den Raum geworfen?
Roy: Es ist kein Geheimnis, dass diese Zweifel auch aus dem Kreis der deutschen Stiftungen kamen. Man muss aber hinzufügen, dass diese Akteure nicht dem Social Investment und der Venture Philanthropy ihre Berechtigung absprechen. Es wurde nur die Frage gestellt, ob dieses Thema wirklich so bedeutend ist, dass wir uns heute schon in diesem Ausmaß damit beschäftigen müssen – oder ob es nicht effizienter wäre, sich auf das traditionelle Fundraising beziehungsweise Grant Giving zu konzentrieren. Diese Frage muss jede Organisation vor dem Hintergrund ihrer individuellen Situation für sich selbst beantworten.

DIE STIFTUNG: Auf der anderen Seite haben sich deutsche Stiftungen in den vergangenen zwei Jahren sehr stark im Bereich Mission und Impact Investing engagiert. Wie weit war dies auf der Konferenz zu spüren?
Roy: Bei der Konferenz war an vielen Stellen zu spüren, dass in dem Bereich das Know-how deutlich zugenommen hat, bessere Daten vorliegen und ein besseres Verständnis herrscht, in welchen Strukturen Venture Philanthropy und Social Investment stattfinden können und sollten. Das fand seinen Ausdruck in der Vorstellung der neuen EVPA-Studie „The State of Venture Philanthropy and Social Investment in Europe 2015/16“. Deren Ergebnisse deuten auf echtes Wachstum im Sektor: Immer mehr Geld wird auf diese Weise für gute Zwecke eingesetzt. Stiftungen treten dabei als Investoren ebenso in Erscheinung wie als Mittelempfänger. Man muss dabei allerdings feststellen, dass in Deutschland die Überführung von in der Tat umfangreich aufgebautem Wissen in entschlossenes Handeln in diesem Bereich noch weniger stattfindet als etwa in vielen unserer Nachbarländer. Frankreich als Gastgeberland der diesjährigen Konferenz ist ein Beispiel dafür. Hier hat man die Erkenntnisse zu den Chancen von Venture Philanthropy und Social Investment wesentlich stärker in nennenswerte praktische Maßnahmen überführt – seitens der Regierung und wichtiger Verwaltungseinheiten ebenso wie seitens zahlreicher Geldgeber und Stiftungen. Ein solches gemeinsames, konzertiertes Handeln ist in Deutschland bisher noch zu wenig erkennbar.
