„ESG-Kriterien sollten Teil der Strategie sein“

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DIE STIFTUNG: Herr Zitt, Sie engagieren sich beim StiftungsDialog am 31. Mai zu Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien. Was genau bedeutet für Sie „nachhaltig“?
Christoph Zitt: Nachhaltigkeit ist ein wichtiger, aber nicht greifbarer Wertetreiber und ein Kernfaktor, um die Qualität eines Unternehmens zu erfassen. Wir glauben, dass langfristig betrachtet nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sich besser entwickeln. Finanzanalysen basieren rein auf traditionaler Rechnungslegung, erfassen aber das sich veränderte Wettbewerbs- und Investmentumfeld nicht. Das tun dafür die Environment, Social und Governance – Faktoren (ESG*).
Sie zeigen wichtige Kriterien für u.a. zukünftige Kostenkontrolle auf; die richtige ESG-Positionierung ist ausschlaggebend für die Wertentwicklung und die Qualität des Managements eines Unternehmens. Nachhaltig im Kontext mit Stiftungen bedeutet für mich daher, dass die Investition nach ESG-Kriterien und die Investmentbedürfnisse von Stiftungen weitgehend übereinstimmen sollten.

DIE STIFTUNG: Inwiefern sollten sich Stiftungen der Berücksichtigung von ESG-Kriterien in ihrem Investment zuwenden?
Zitt: Stiftungen sind typischerweise auf Dauer angelegt und tragen damit den Nachhaltigkeitsgedanken in ihren Genen; ESG-Kriterien sollten also Teil einer auf Dauer angelegten Strategie sein. Mittlerweile achten immer mehr Stiftungen genau darauf, dass die Erwirtschaftung der Mittel für die Durchführung von Projekten im Einklang mit dem Stiftungszweck, also dem Stifterwillen, steht. Die dabei eingesetzten ESG-Strategien drücken dann die Denkweise und nachhaltige Philosophie der jeweiligen Stiftung aus.

DIE STIFTUNG: Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Jahr für Stiftungen auf der Vermögensseite?
Zitt: Ich denke, da hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht viel geändert. Das Niedrigzinsumfeld macht für viele Verantwortliche im Stiftungsbereich die Vermögensanlage nicht einfacher. Lösungen werden gesucht, um aus der Zinsfalle zu kommen. Verschiedene alternative Assets werden geprüft. Dabei gehören auch Aktien als fester Bestandteil in ein ausgewogenes Portfolio. Aufgrund der hohen Schwankungsbreite meiden jedoch Stiftungen oft den entscheidenden Schritt in diese Assetklasse. Einzelne nachhaltige Aktienfonds, die ESG-Scoring auch als Risikokennziffer mit in ihre Anlageentscheidung einbeziehen, können langfristig gesehen, durchaus eine geringe Volatilität zum Marktindex aufweisen, was letztendlich dem Anlageverhalten der überwiegend konservativen Stiftungen entgegenkommt. Das ist bei uns im Haus übrigens auch bei internationalen Rentenpapieren nicht anders, denn da greifen auch ESG-Kriterien bei der Begutachtung von beispielsweise Schwellenländeranleihen.

DIE STIFTUNG: Was möchten Sie den teilnehmenden Stiftungen gerne mitgeben?
Zitt: Die Begriffsvielfalt der Nachhaltigkeit und ihre Umsetzung in der Kapitalanlage ist sehr umfangreich und schreckt Stiftungen teilweise noch davon ab, sich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dabei können gerade Stiftungen aus der Umsetzung ihres Nachhaltigkeitsgedankens langfristig eine Win-Win-Situation schaffen. Wir wollen eine Diskussion anregen, wie diese ESG-Kriterien implementiert werden können, kritisch hinterfragen, wie es mit der Corporate Governance für Stiftungen aussieht und wie weit ESG sich im Spannungsfeld von Empfehlung und Verpflichtung bereits bewegt.

DIE STIFTUNG: Dann dürfen wir uns ja auf eine spannende Veranstaltung freuen.

 

Christoph ZittChristoph J. Zitt ist zertifizierter Stiftungsberater und Senior Sales Director bei NN Investment Partners in Frankfurt. Er fungiert dort als Ansprechpartner für Stiftungen.

Veranstaltungstipp: Für den StiftungsDialog am 31. Mai in München gibt es noch letzte Plätze. Informieren Sie sich jetzt hier.