Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer ist am 9. Mai im Alter von 103 Jahren gestorben. Sie war eine der letzten Zeitzeuginnen in Deutschland. 1921 wurde Friedländer in Berlin geboren. Als Jüdin erlebte sie die Repressionen des Nazi-Regimes am eigenen Leib. Das Erlebte schrieb sie mitunter in ihrer Autobiografie nieder.
Sie versteckte sich an verschiedenen Orten in Deutschland, bis sie 1944 entdeckt und ins Konzentrationslager Theresienstadt transportiert wurde. Ihr jüngerer Bruder und ihre Mutter waren 1943 in den Konzentrations- und Vernichtungslagern von Auschwitz ermordet worden. Mit ihrem späteren Ehemann Adolf Friedländer überlebte sie die Haft und wanderte 1946 nach New York aus. Im Jahr 2010 kehrte sie nach Deutschland zurück.
„Schaut auf das, was euch verbindet“
Seither engagierte sie sich für die Erinnerung an den Holocaust, Demokratie sowie gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. Besonders die Aufklärung junger Menschen lag ihr am Herzen: Sie berichtete an Schulen und bei Veranstaltungen von ihren Erlebnissen, um das Bewusstsein für die Gefahren von Hass und Ausgrenzung zu schärfen. „Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig“, forderte sie mehrfach in verschiedenen Interviews und bei öffentlichen Auftritten.
2023 gründete Friedländer ihre eigene gemeinnützige Stiftung, um ihr Lebenswerk für die Nachwelt fest- und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus lebendig zu halten. Die Margot-Friedländer-Stiftung widmet sich der „Zukunft der Erinnerung“ und setzt sich für Toleranz, Menschlichkeit, Freiheit und Demokratie ein. Friedländer stattete sie mit großen Teilen ihres Privatvermögens aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernahm die Schirmherrschaft über die in Berlin ansässige Stiftung.
Ein zentrales Anliegen der Stiftung ist die Förderung von Projekten und Initiativen, die sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit engagieren. Die Stiftung vergibt jährlich den Margot-Friedländer-Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist. Gefördert werden sollen Einzelpersonen, Initiativen, Vereine oder Schulen, die sich mit innovativen Aktionen für Toleranz, Menschlichkeit und gegen Ausgrenzung starkmachen. 2024 wurde der Preis an sechs Träger verliehen, darunter der Verein Zweitzeugen, der seit 2010 jährlich Tausende Kinder und Jugendliche mit den Geschichten von Holocaust-Überlebenden vertraut macht.
Geleitet wird die Stiftung von einem fünfköpfigen Vorstand, dem unter anderem die ehemalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie Alt-Bundespräsident Joachim Gauck angehören. Ein prominent besetztes Kuratorium begleitet die Arbeit der Stiftung beratend. Zu den Mitgliedern des Kuratoriums zählen Persönlichkeiten wie Sänger Max Raabe, Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal sowie Berlins Bürgermeister Kai Wegner.
Tobias Müller ist Redakteur bei DIE STIFTUNG. Er hat Friedens- und Konfliktforschung sowie Journalismus in Frankfurt am Main und Darmstadt studiert. Als Werkstudent arbeitete er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Anschluss folgte eine Tätigkeit als Onlineredakteur beim Magazin Chrismon.

