18.07.2012 | Von Die Stiftung

Das Schneeball-Prinzip

Wenn im Internet die breite Masse zu einer kleinen Spende für ein spezielles Projekt aufgerufen wird, spricht man Neudeutsch von Crowdfunding. Bisher hat sich diese Form des Fundraisings vor allem bei kulturellen Projekten bewährt. Ein Selbstläufer ist die neue Art der Spendergewinnung aber keineswegs: Ohne geeignete Projekte, gute Vermarktung und ein hohes Maß an Transparenz kann sie schnell scheitern.

Wenn im Internet die breite Masse zu einer kleinen Spende für ein spezielles Projekt aufgerufen wird, spricht man Neudeutsch von Crowdfunding. Bisher hat sich diese Form des Fundraisings vor allem bei kulturellen Projekten bewährt. Ein Selbstläufer ist die neue Art der Spendergewinnung aber keineswegs: Ohne geeignete Projekte, gute Vermarktung und ein hohes Maß an Transparenz kann sie schnell scheitern.
Von Lisa M. Wolff

Yes, we can! Wer erinnert sich nicht an diesen berühmten Slogan, der Barack Obama im Jahr 2007 an die amerikanische Staatsspitze verhalf? Seinen Präsidentschaftswahlkampf finanzierte er aus einer großen Anzahl von Kleinspendern und konnte so auf die sonst üblichen Großspenden einiger weniger einflussreicher Lobbyisten verzichten.

„Dies war nur durch eine bislang beispiellose Mobilisierung vor allem junger und engagierter Wahlkampfunterstützer und dank der sozialen Medien im Internet möglich“, schwärmt der Fundraisingexperte Prof. Dr. Michael Urselmann und ergänzt: „Dieser Wahlkampf ist das bislang wohl berühmteste Crowdfunding-Projekt.“

Die Art und Weise, wie man diesen Wahlkampf beworben, finanziert und umgesetzt hat, ist in der Tat ein klassisches Beispiel des Crowdfundings und durchaus auch für das Stiftungswesen denkbar. „Crowdfunding ist das systematische Einwerben kleiner Geldbeträge – funding – bei vielen Menschen – crowd – zur Finanzierung eines privatnützigen oder gemeinnützigen Projektes“, beschreibt Urselmann dieses Phänomen des Spendensammelns. „Dabei ist Crowdfunding an sich nichts Neues.“

Diesen Eindruck bestätigt auch Anna-Maria Wagner von der Online-Kommunikationsagentur i-gelb: „Netzwerkbasierte Fundraisingansätze, die sich an bestimmte Zielgruppen richten, gibt es nicht erst seit gestern. Zweifelsohne geht es bei der aktuellen Entwicklung auch viel um neue Begrifflichkeiten. Dennoch ist Crowdfunding mehr als ein neuer Name für eine alte Sache. Die Konzeptansätze und technischen Möglichkeiten haben sich maßgeblich verändert.“

Quelle: panthermedia/Edhar YuralaitsDie tragende Rolle spielt hierbei zweifelsohne das Internet mit dem stetig wachsenden Angebot von Social Media. Facebook, Twitter und dergleichen bieten den Rückgriff auf eine breite Unterstützerbasis. „Dank des viralen Effektes, auch als Schneeballsystem bekannt, ist eine kostengünstige und schnelle Ansprache vieler potenzieller Geldgeber ebenso möglich wie das schnelle und kostengünstige Bereitstellen des Geldes“, erklärt Urselmann diese Entwicklung.

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