09.11.2018 | Von Kai Praum

9. November: Tag des Erinnerns in Deutschland

Der 9. November ist einer der geschichtsträchtigsten Tage der deutschen Geschichte. Stiftungen sind wichtige Akteure, um die Erinnerungen an die Ereignisse in den Jahren 1918, 1923, 1938 und 1989 aufrechtzuerhalten und das Geschehene zu verarbeiten.

Ausrufung der Republik am 9. November 1918: Philipp Scheidemann spricht vom Westbalkon des Reichstagsgebäudes aus. Foto: gemeinfrei

Heute vor 100 Jahren rief Philipp Scheidemann die erste Deutsche Republik aus. Es war der Höhepunkt der Novemberrevolution zum Ende des Ersten Weltkriegs, die das Deutsche Reich von der konstitutionellen Monarchie in eine parlamentarisch-demokratische Republik führte. Anlässlich des  Gedenkens an 1918/19 hat die Friedrich-Ebert-Stiftung das Projekt „Netzwerk Demokratie/Geschichte 2018/19“ eingerichtet. Das Projekt hat sich das Ziel gesetzt, dazu beizutragen, die Gründung der ersten deutschen Demokratie in der deutschen Erinnerungskultur zu verankern. Flächendeckend engagieren sich in Deutschland Stiftungen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen für die Erinnerungskultur. Das dies vor Ort nicht immer leicht ist, zeigt das Beispiel Bückeberg südlich von Hameln.

Fünf Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) brannten am 9. November 1938 jüdische Geschäfte und Synagogen beim Höhepunkt der Novemberpogrome. Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Die Stiftung „Topographie des Terrors“ hält die Erinnerung an dies Orte aufrecht. Seit dem 7. November ist Dokumentationszentrum der Stiftung im Sonderausstellungsbereich die Ausstellung „‚Kristallnacht‘ – Antijüdischer Terror 1938. Ereignisse und Erinnerung” zu sehen, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas entstanden ist.  80 Jahre nach dem vorläufigen Höhepunkt des Staats- und Parteiterrors gegen die jüdische Bevölkerung im November 1938 zeichnet diese Ausstellung die damaligen Ereignisse nach. Anhand von sechs kaum bekannten Fotoserien aus dem Deutschen Reich wird deutlich, dass die Gewalt nicht nur von der SA und anderen NS-Organisationen ausging, sondern ebenso von der Bevölkerung  – und dass sie vor aller Augen stattfand. Zugleich wird erstmals die wechselvolle Erinnerung an den 9. /10. November 1938 bis in die Gegenwart dargestellt.

9. November als Lerntag der Geschichte

Historiker und Rabbiner Andreas Nachama, Leiter der Stiftung Topographie des Terrors, fordert in der Jüdischen Allgemeinen, der 9. November solle einen Lerntag für die Geschichte des 20. Jahrhunderts sein. „Vom autoritären Kaiserreich zur Weimarer Demokratie in einer Republik, vom zerstörerischen gewaltsamen Nationalsozialismus zur friedlichen Grenzöffnung: Wir Juden gehen erinnernd voran, wohl wissend, woher wir kommen. Da sind wir nicht allein, aber doch noch immer nicht genug“, so Nachama. Nicht unerwähnt lässt er in seinem Beitrag den Putschversuch Adolf Hitlers, der ebenfalls am 9. November stattfand. Im Jahr 1923 scheiterte der „Hitlerputsch“ in München.

Das jüngste Ereignis an diesem Schicksalstag der deutschen Geschichte war der Mauerfall 1989. Die Stiftung „Berliner Mauer“ dokumentiert seit 2008 die Geschichte der Berliner Mauer und der Fluchtbewegungen aus der Deutschen Demokratischen Republik als Teil und Auswirkung der deutschen Teilung und des Ost-West-Konflikts im 20. Jahrhundert. Zur Stiftung gehören die Standorte Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die Gedenkstätte Günter Litfin im Wachturm der ehemaligen Führungsstelle der DDR-Grenztruppen am Kieler Eck sowie die East Side Gallery, das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer zwischen dem Berliner Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke.

www.fes.de
www.topographie.de
www.stiftung-berliner-mauer.de

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