12.06.2020 | Von Stefan Dworschak

Stiftungsreport der Fuchsbriefe – gute Beratung für jedes Budget?

Der Stiftungsreport der Fuchsbriefe prüft Anlagekonzepte für eine kleine Stiftung. Das Interesse der Dienstleister fällt sehr unterschiedlich aus, ebenso die Angebotsqualität. Doch es gibt Häuser, die konstant gute Leistung und Engagement zeigen.

Fuchsbriefe
Nicht alle Dienstleister schauen bei der Beratung kleinerer Stiftungen so genau hin, wie die Tester sich das wünschen. Foto: Jorma Bork/pixelio.de

Eine christlich geprägte Stiftung, gegründet von Todes wegen durch zwei Gemeindemitglieder, will 350.000 Euro nachhaltig und ertragbringend anlegen: Dies war das Szenario des diesjährigen Stiftungsreports der Fuchsbriefe. Zum Vermögen der Stiftung gehört auch eine Eigentumswohnung, die nach Kosten jährlich 3.500 Euro einbringt. Dazu will ein weiteres Gemeindemitglied im Todesfall der niedersächsischen Organisation rund 500.000 Euro vermachen.

Der Titel „Kleine Stiftung, große Hilfe“ lässt schon erahnen, dass nicht nur das eher geringe Grundstockvermögen eine Herausforderung darstellte. Auch die Satzung trug dazu bei. Trotz der Niedrigzinsphase ließ sie für den Stiftungszweck nur die Verwendung ordentlicher Erträge zu. Damit standen Zinsen, Dividenden und Mieteinannahmen zur Verfügung, Kursgewinne jedoch nicht. Entsprechend gehörte auch zur Aufgabe zu erkennen, dass die Satzung der Teststiftung sich durch ein einstimmiges Votum des Vorstands ändern lässt. Die Zusammensetzung der Endwertung zeigt die Relevanz der einzelnen Prüfbereiche: Anlagevorschlag (Gewichtung von 45 Prozent), Investmentkompetenz (15 Prozent), Transparenz (14 Prozent), Serviceangebot (sechs Prozent) sowie Beauty Contest (20 Prozent).

Unterschiedliches Interesse

Insgesamt 56 Banken und Vermögensverwalter kontaktierte die Stiftung für den Test. Mit 28 Dienstleistern machte die Hälfte einen Anlagevorschlag, 22 füllten den Transparenzfragebogen aus – alle Leistungen werden im Report dokumentiert. „Der Großteil der Häuser machte sich wenig Mühe, der künftige Geschäftspartner der Stiftung zu werden“, resümieren die Tester mit Blick auf die Einsendungen und fehlende Anpassung an den individuellen Fall.

Nicht nur Standardantworten, auch inhaltliche Mankos gaben Anlass zur Kritik, etwa hinsichtlich Empfehlungen zu hohen Anleihe- sowie geringen Aktienquoten. Zudem bemängeln die Autoren, dass die meisten Portfolios im Aktienbereich recht heimat- bzw. euroorientiert seien, es mitunter an globaler Ausrichtung mangle. Stiftungs- wie auch Nachhaltigkeitsexpertise seien je nach Vermögensverwalter sehr unterschiedlich gelagert. „Während einige Häuser auf ihre Inhouse-Kompetenz Wert legen, schmücken sich andere mit ihrem breiten Netzwerk.“ Das nimmt allerdings offenbar nicht bereits das Ergebnis vorweg: Auch kleine Häuser mit einer ausgelagerten Expertise konnten laut Report im Test punkten.

Um die Investmentkompetenz zu prüfen, verwendete das Analysehaus Quanvest Modelle in der Vor- und Rückschau. Im Ergebnis warnen die Autoren vor zu defensiver Ausrichtung: „Der langfristige Ansatz mit einem mutigen, aber auch solide abgesicherten Aufbau von Renditen scheint in Krisen wichtiger als ein vorsichtiges Risikomanagement.“

Neun Finalisten

Die besten neun Anbieter wurden Ende Februar zum Beauty Contest eingeladen, wo sie eine Lösung mit einer strategischen Aktienquote von 40 Prozent vorstellen sollten. Als einziger Bewerber mit mehr als 80 von 100 Punkten gewann die BW-Bank die Gesamtwertung vor der Bank für Kirche und Caritas, der Bethmann-Bank sowie der Bank im Bistum Essen und der Frankfurter Bankgesellschaft im höheren beziehungsweise niedrigeren 70er-Bereich.

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