08.01.2020 | Von Martina Benz

Dreifacher Impact durch Solarenergie

Frank-Martin Belz der Technischen Universität München erforscht, wie sich der Zugang zu Solarenergie auf das Unternehmertum in Afrika auswirkt. Hierfür arbeitet er mit dem Sozialunternehmen Africa Green Tec zusammen. Im Interview teilt er erste Einblicke und Ideen, welche Rolle Stiftungen spielen könnten.

Solarenergie
Strom durch Solarenergie fördert die Entwicklung, zum Beispiel, weil dann auch nachts gearbeitet werden kann. Foto: Africa Green Tec AG

Was wollen Sie herausfinden und wie?
Frank-Martin Belz: Durch Africa Green Tec erhalten wir Zugang zu Dörfern, in denen das Sozialunternehmen mobile Solaranlagen installiert hat. Wir befragen dort Personen, die unternehmerisch tätig sind, beispielsweise mit einem Lebensmittelladen, als Friseur oder Schneider. Vor allem schauen wir uns die Wirkung lokaler Solarkraftwerke auf unternehmerische Aktivitäten vor Ort an.

Frank-Martin Belz ist Professor für Unternehmerische Nachhaltigkeit an der Technischen Universität München (TUM). Foto: Eckert Heddergott

Was haben Sie bisher herausgefunden?
Belz: Eine nicht überraschende Tendenz, die ersichtlich wurde: Unternehmerische Aktivitäten nehmen durch den Zugang zu Strom zu. Ein Unternehmer hat beispielsweise neben der Hühnerzucht eine Fleischverarbeitung und ein Restaurant aufgebaut. Das Klischee, Unternehmertum entstünde in Afrika nur, weil es lebensnotwendig ist, hat sich nicht bestätigt. Der Wille, wirtschaftlich zu wachsen, ist da. Viele der Gewerbe sind allerdings nicht staatlich gemeldet, und Berufs- oder Wirtschaftsverbände gibt es nicht. Diese Rolle übernehmen informelle Institutionen, zum Beispiel Frauenvereinigungen. Wer mit afrikanischen Ländern zusammenarbeitet, muss diese Strukturen beachten.

Können sich auch Stiftungen im Energiesektor afrikanischer Länder engagieren?
Belz: Allgemein gilt: Wem es nicht nur um Profit, sondern auch um Wirkung geht, der kann mit erneuerbaren Energien in Afrika einen dreifachen Impact erzielen: ökonomisch durch rentable Investitionen, sozial durch die Entwicklungsförderung und ökologisch als Beitrag zum Klimaschutz. Der CO2-Ausstoß kann dort viel stärker beeinflusst werden als bei uns. Ob so ein Engagement für Stiftungen in Frage kommt, ist von Stiftungszweck und -größe abhängig.

Ist der Bedarf an Solarenergieinvestments denn groß?
Belz: Eine Studie der Weltbank hat diesen Sommer gezeigt: Der Bedarf an Investments im Energiemarkt in Afrika ist riesig. Wir sprechen von einem Milliardenmarkt, bei einer Versorgung aller Menschen mit erneuerbaren Energien bis 2030 sogar von einem zweistelligen.

Wie kann er sinnvoll erschlossen werden?
Belz: Geschäftsmodelle wie das von Africa Green Tec rechnen sich nur, wenn die notwendige Infrastruktur, wie Netze oder Hausanschlüsse, vorhanden ist. Parallele Ausbildungen zum Unternehmertum könnten den Wohlstand schneller vermehren. Hier gibt es Bedarf an Public Private Partnerships. Hierbei können Stiftungen eine wichtige Rolle spielen.

In Ausgabe 6/2019 berichtete DIE STIFTUNG über das Engagement von Africa Green Tec.

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