31.10.2018 | Von Die Stiftung

Streit um das Kettler-Vermächtnis

Der Unternehmer Ulrich Bettermann hat seinen Vorwurf der Veruntreuung gegen den Kuratoriumsvorsitzenden der Kettler-Stiftung Manfred Sauer erneuert. Der Belegschaft des insolventen Unternehmen Kettler hilft der Streit nicht.

Kettler
Firmensitz von Kettler in Ense-Parsit. Foto: Bubo, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1701269

Es ist ein heftiger Streit um Geld und der inzwischen auch Arbeitsplätze gefährdet – für Außenstehende schwer zu durchblicken. Im Zentrum des Streits: Die Firma Kettler – bekannt für das Kinderfahrzeug „Kettcar“, der Mendener Unternehmer Ulrich Bettermann, Freund des verstorbenen Heinz Kettler und dessen Tochter, sowie Manfred Sauer, Ex-Prokurist der Kettler GmbH und Kuratoriumsvorsitzender der Heinz-Kettler-Stiftung. Bettermann wirft Sauer in einer Zeitungsanzeige vor, sich selbst an Firma und Stiftung bereichert zu haben. Er soll das Unternehmen in die Insolvenz getrieben und Bargeld, Gold und Diamanten entwendet haben. Bettermann fordert den Rücktritt von Sauer im Namen der verstorbenen Firmenerbin Karin Kettler. Sauer dementiert die Vorwürfe, die Bettermann zuvor bereits geäußert hatte. Da die Kettler GmbH zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Jahren insolvent ist, könnte der Streit um den Kuratoriumsvorsitzenden den Einstieg von Investoren erschweren.

Öffentlicher Druck durch Zeitungsanzeigen

Jüngste Eskalationsstufe im Kettler-Streit ist laut Handelsblatt die Veröffentlichung von ganzseitigen Zeitungsanzeigen im „Soester Anzeiger“ und im „Sauerland Kurier“ durch Ulrich Bettermann. Bettermann bezichtigt Sauer gemeinsam mit drei weiteren Unterzeichnern, die sich selbst als enge Vertraute der einzigen Firmenerbin Karin Kettler bezeichnen, diverser Verfehlungen sowie krimineller Handlungen. Der Anzeige sind eidesstaatliche Versicherungen beigefügt. Die alleinige Firmenerbin kam 2017 durch einen Autounfall zu Tode. Bettermann sagte dem Soester-Anzeiger, dass es für ihn als ehemaligen Freund von Heinz und Karin Kettler unerträglich sei, dass Sauer noch immer der „starke Mann“ in der Kettler-Stiftung sei. Dieser gehören der Vermögensnachlass und das Unternehmen. Karin Kettler habe ihm und den anderen Unterzeichnern vor ihrem Tod erzählt, dass sie nichts mehr mit Sauer zu tun haben wolle.

Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt

Auch in der Vergangenheit hatte Bettermann schon mehrfach Vorwürfe gegen den Kuratoriumsvorsitzenden Sauer geäußert, woraufhin sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte. Diese stellte die Ermittlungen später wieder ein – sollten Straftaten wie Veruntreuung begangen worden sein, seien diese inzwischen verjährt und die möglichen Geschädigten verstorben. Manfred Sauer hatte die Vorwürfe immer zurückgewiesen und erwägt, Bettermann wegen übler Nachrede anzuzeigen.

Den aktuellen Schritt, eine Anzeige zu veröffentlichen, begründete Mitverfasser Dirk Valerius gegenüber dem Handelsblatt damit, dass „man nun mithilfe der Öffentlichkeit dem Wunsch der Verstorbenen Karin Kettler, einen anderen Kuratoriumsvorsitzenden einzusetzen, nur nachkommen und auch dem Unternehmen nur helfen könne, wenn die Öffentlichkeit davon erfährt, dass Herr Sauer nicht im Auftrag der Verstorbenen und nicht zum besten des Unternehmens handelt“.

Diebstahl, Betrug, Erpressung

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz führen die vier Unterzeichner aus, was sie Sauer vorwerfen. Der Soester-Anzeiger zitiert die Unterzeichner mit der Aussage, Sauer habe von Schwarzgeldkonten des Firmengründers Heinz Kettler mit Guthaben von 40 Millionen Euro gewusst und ihn sowie auch seine Tochter erpresst. Sauer habe zudem als Stiftungsvorsitzender „Rechnungen in Höhe von über 500.000 Euro gestellt, obwohl die Stiftungsräte operativ nicht tätig sein dürfen“.

In der eidesstaatlichen Versicherung berichtet Bettermann davon, wie Sauer sich an dem Nachlass der Kettlers bereichert haben soll. Karin Kettler habe Bettermann 2016 von einem Diebstahl erzählt, bei dem Sauer 200.000 Euro und acht Kilogramm Gold aus dem Firmentresor entwendet habe. Zu diesem hätten nur sie und Sauer einen Schlüssel gehabt. Als Karin Kettler Sauer mit der Polizei gedroht habe, habe dieser den Diebstahl gestanden und beteuert, sich in einer „finanziellen Schieflage“ befunden zu haben. Den Schaden habe er nicht erstattet, heißt es in der eidesstattlichen Versicherung. Auch Diamanten aus dem Besitz der Kettlers sollen verschwunden sein. Sauer habe sich zudem eine Villa im spanischen Marbella, das der Stiftung gehört, „einverleiben“ wollen. Bettermann sagt: „Es darf nicht sein, dass ein Krimineller die Stiftung führt.“

In Folge der Pressekonferenz hat Sauer die Vorwürfe Bettermanns über seinen Anwalt erneut zurückweisen lassen. Dieser erklärte, die Anschuldigungen seien nicht neu und von der Staatsanwaltschaft bereits untersucht und fallengelassen worden. Der Soester-Anzeiger zitiert den Anwalt mit den Worten, dass „ohne Grundlage mit Schmutz geworfen“ werde. Manfred Sauer sehe keinen Grund für ein Verzicht auf den Kuratoriumsvorsitz.

Stiftungsvorstände doch nicht abberufen

Auch an anderer Front muss Sauer sich streiten und hat jüngst eine Niederlage erlitten. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens von Kettler hatte das Kuratorium, dem Sauer vorsitzt, die Abberufung der beiden Stiftungsvorstände Andreas Sand und Werner Scheiwe entschieden. Diese Entscheidung wurde nun von der Stiftungsaufsicht der Bezirksregierung Arnsberg aufgehoben. Sand und Scheiwe sind dadurch mit sofortiger Wirkung wieder im Amt.

Als Begründung für die Abberufung hatte das dreiköpfige Kuratorium laut Handelsblatt die bislang erfolglosen Übernahmeverhandlungen mit einem Investor angeführt. Der Deal mit dem Investor scheiterte im Juli auch, weil die Stiftung dem von der Geschäftsführung der Firma angestrebten Verkauf nicht zustimmte. Sie sah sich unzureichend über die Bedingungen des Verkaufs informiert.

Insolvenzverwalter plant Stellenabbau

Leidtragende des Streits könnten auch die Angestellten des insolventen Unternehmens sein. Die Firma Kettler mit Sitz in Ense-Parsit in Nordrhein-Westfalen produziert und vertreibt Sportartikel, Freizeitmöbel sowie Spiel- und Kind-Produkte. Der Streit um die Heinz-Kettler-Stiftung könnte die Suche nach einem Investor erschweren.

Der Insolvenzverwalter der Firma plant nach Informationen des Handelsblatts, bis zu 160 der 850 Stellen abzubauen und führe bereits erste Gespräche mit Angestellten. Geplant sei in erster Linie eine Einigung mit „rentennahen“ Mitarbeitern.

 

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