Anetta Kahane gibt das Amt der Vorstandsvorsitzenden der Amadeu-Antonio-Stiftung ab. Auf die Gründerin folgt ein auf drei Personen erweiterter Vorstand, bestehend aus Timo Reinfrank, Tahera Ameer und Lars Repp.

Anetta Kahane zieht sich aus der Amadeu-Antonio-Stiftung zurück. Die Gründerin und Vorstandsvorsitzende übergibt zum 1. April an ein dann erweitertes, dreiköpfiges Gremium: ihren bisherigen Stellvertreter und Geschäftsführer Timo Reinfrank, Programmleiterin Tahera Ameer und Verwaltungsleiter Lars Repp. Kahane hat die Amadeu-Antonio-Stiftung 1998 gegründet, die sich den Themen Rechtsextremismus, Demokratiefeindlichkeit und Antisemitismus widmet.

„Ort der alle Menschen schützt“

„Mit der Amadeu Antonio Stiftung wollte ich einen Ort schaffen, der alle Menschen vorbehaltlos schützt und unterstützt, die von Demokratiefeinden angegriffen werden – und das durch eine offen gelebte demokratische Kultur“, wird Kahane zitiert. „Am Anfang hatten wir noch Mühe, die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass Rechtsextremismus ein großes Problem vor Ort ist. Dafür wurden wir oft als Nestbeschmutzer und Panikmacher beschimpft. Inzwischen ist das Problem zwar anerkannt, doch erst langsam verstehen Gesellschaft und Politik, wie schwierig und wichtig das Engagement gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit ist.“ Sie werde die Arbeit der Stiftung weiterhin begleiten und an den Themen Demokratie und Menschenrechte arbeiten. „Ich bin nun Mal ein jüdisches Kind der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Shoa und die Folgen der deutschen Teilung haben mich geprägt. Und das wird immer meine Perspektive auf Unrecht und den Schutz von Minderheiten bestimmen.“ Kahane sah sich in der Öffentlichkeit immer wieder persönlichen Angriffen ausgesetzt, unter anderem aufgrund ihrer Arbeit für die DDR-Staatssicherheit von 1974 bis 1982. Die Stiftung hat auf ihrer Website Einordnungen und Gutachten zu diesem Thema veröffentlicht.

Weitere Professionalisierung

Die Stiftung werde den von Kahane eingeschlagenen Kurs weiterverfolgen, so Timo Reinfrank. Die Unterstützung von Initiativen vor Ort bleibe Kern der Stiftung. „Und trotzdem werden wir auch weiter den Finger in die Wunde legen und die Politik in die Verantwortung nehmen. Anetta Kahane wurde für ihr Engagement immer wieder angefeindet, wurde zur Hassfigur der rechten Szene. Mich hat immer beeindruckt, wie sie das als Ansporn und nicht als Rückschlag empfunden hat.“ Die von Kahane vertretene Überzeugung, dass Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus nur durch eine gelebte demokratische Kultur eingedämmt werden können, bleibe der Grundgedanke, so Tahera Ameer. Dabei rückt auch Professionalisierung weiter in den Blick. „Mit über 120 Beschäftigten an vier Standorten ist die Amadeu-Antonio-Stiftung die größte zivilgesellschaftliche Organisation im Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland“, so Lars Repp. „Die Feinde der Demokratie haben sich professionalisiert. Die zivilgesellschaftlichen Initiativen dürfen dem in nichts nachstehen.“

Über die Stiftung

Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, „die sich konsequent und überparteilich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet.“ Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse. 2021 habe die Stiftung über 150 Initiativen und ihre Projekte gefördert sowie über 100 Einzelpersonen finanziell unterstützt, die Opfer von Hasskriminalität und rechter Gewalt wurden. Die Stiftung ist benannt nach Amadeu Antonio Kiowa, der im Dezember 1990 nach einem Angriff von Rechtsextremen im brandenburgischen Eberswalde an schwersten Kopfverletzungen starb. Die Täter wurden zu bis zu vier Jahren Haft verurteilt.

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