Die Vorstandsvakanz bei der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld neigt sich dem Ende: Nachfolger von Jörg Litwinschuh-Barthel soll nun Helmut Metzner werden, der in der Vergangenheit unter anderem für Guido Westerwelle tätig war.

Das Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat am Helmut Metzner zum neuen geschäftsführenden Vorstand der Stiftung gewählt. Der bisherige Vorstand, Jörg Litwinschuh-Barthel, war nach zehnjähriger Amtszeit im November 2021 aus dem Amt ausgeschieden – die damalige Bundesjustiz- und heutige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hatte sich für eine öffentliche Ausschreibung ausgesprochen. Der zwischenzeitlich designierte Nachfolger Gero Bauer trat das Amt aus persönlichen Gründen nicht an. Aktuell führt Referent Daniel Baranowski die Geschäfte.

„Offener Wettbewerb“

Über die Neubesetzung der Vorstandsposition sei in einem offenen Wettbewerb entschieden worden, so das Bundesjustizministerium, das die Stiftung 2011 errichtet hat. „Das Kuratorium hatte sich hierzu auf ein anspruchsvolles und aufwändiges Auswahlverfahren unter Leitung der stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden geeinigt, dem sich die Bewerberinnen und Bewerber stellen mussten. Von den daraus erfolgreich hervorgegangenen und zur Wahl vorgeschlagenen Bewerberinnen und Bewerbern hat das Kuratorium Helmut Metzner gewählt“, so das Ministerium in einer Pressemitteilung.

„Ich freue mich, dass wir mit der Wahl von Helmut Metzner zum neuen geschäftsführenden Vorstand die volle Handlungsfähigkeit der Bundesstiftung wiederhergestellt und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Stiftungsarbeit entsprechend der Bedeutung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld geschaffen haben.“

Bundesjustizminister Marco Buschmann

Metzner hat Geschichte, Politische Wissenschaften und Philosophie an den Universitäten Bamberg und Erlangen studiert. Seit 2020 ist er politischer Berater im Abgeordnetenhaus von Berlin und dort für die Themen Bildung, Jugend, Familie, Kultur und LSBTI zuständig. Darüber hinaus engagiert er sich ehrenamtlich im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). Er werde das Amt des Vorstands der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld voraussichtlich im Frühsommer 2022 antreten. Metzner, der 1988 in die FDP eintrat, war laut Magazin Queer zeitweilig Büroleiter des damaligen Parteichefs Guido Westerwelle. „Von dem Posten wurde er entbunden, nachdem aus von Wikileaks veröffentlichten Depeschen der US-Botschaft bekannt wurde, dass Metzner mit Diplomaten über Ziele und Inhalte der Partei gesprochen hatte. Die Bundesanwaltschaft fand später zu entsprechenden Strafanzeigen keinen Anfangsverdacht für Ermittlungen zu den Vorwürfen des Landes- und Geheimnisverrates und der Spionage.“

„Bundesstiftung ist keine Versorgungsanstalt“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Die Linke Queer der Partei die Linke hat die Berufung kritisiert. „Die Bundesstiftung ist keine Versorgungsanstalt“, so die Bundessprecher, die eine Geringschätzung der Arbeit der Stiftung anprangerten. Metzner sei in der Vergangenheit nicht zuletzt durch seine Glückwünsche für den FDP-Spitzenkandidaten Thomas Kemmerich aufgefallen, „der sich mit Stimmen der Höcke-AfD hat zum Thüringer Ministerpräsidenten wählen lassen. Seine Tweets auf Twitter sind immer wieder geprägt von der Ablehnung fortschrittlicher Positionen – und einer despektierlichen Haltung gegenüber Frauen”, so die Linke Queer. „Als Vorstand einer nach dem überzeugten und engagierten Sozialisten Magnus Hirschfeld benannten Stiftung ist Metzner schon vor Amtsantritt nicht glaubhaft.“

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