
DIE STIFTUNG: Sie waren vom 2. bis 4. November auf der Jahreskonferenz der European Venture Philanthropy Association, kurz EVPA, in Paris. Hat sich die Reise gelohnt?
Dr. Patrick Roy: Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Konferenz war mit 550 Teilnehmern hervorragend besucht. Es gab die Gelegenheit, Experten für die wirkungsorientierte Finanzierung gesellschaftlicher Anliegen aus 49 Ländern zu treffen, auch über Europa hinaus. Und allgemein war ein Aufbruch zu spüren.
DIE STIFTUNG: Was waren die wichtigsten Themen?
Roy: Es ging viel um verschiedener Formen von Venture Philanthropy und Social Investments wie zum Beispiel Social Impact Bonds als Lösungsbeiträge für aktuelle globale Herausforderungen. So gab es unter den 25 austauschorientierten Sessions solche zur Rolle und Eignung dieser Instrumente etwa in der Flüchtlingskrise, der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, für Investitionen in Südeuropa oder die Bekämpfung des Klimawandels. Immer wieder kam auch das Thema der „richtigen“ Wirkungsorientierung und Wirkungsmessung zur Sprache.
DIE STIFTUNG: Zu welchen Ergebnissen sind Sie in diesen Wirkungsdiskussionen gekommen?
Roy: Große Herausforderungen, die an vielen Stellen thematisiert wurden, waren die der wahrhaft gesellschaftsrelevanten Definition der Wirkungsziele und der ausreichenden Datenqualität für die anschließende Wirkungsmessung. Denn was nützt das schönste finanztechnische Konstrukt der Social Impact Investments, wenn man beispielsweise eben nachher nicht verlässlich auf die nötige Information zurückgreifen kann, um die Effekte des Handelns überhaupt sauber zu beurteilen? Das klingt trivial, ist aber offenbar tatsächlich ein großes Problem, speziell bei Aktivitäten in Krisen- und Entwicklungsregionen. Wir müssen also speziell in solchen Konstellationen eine Balance finden zwischen einem hohen gesellschaftlichen Veränderungsanspruch und der grundsätzlichen Praktikabilität der Messung. Damit verbunden ist die Frage, mit welchen Kooperationspartnern ich zusammenarbeiten kann und will, um in der Datenerhebung nicht auf mich allein gestellt oder auf teilweise problematische Sekundärdaten angewiesen zu sein. Es wurde also deutlich, dass Wirkungsorientierung und Wirkungsmessung gerade im internationalen Kontext kein einfacher Ansatz ist, sondern dass viel Energie und Gedanken nötig sind, um eine zielführende wie praktikable Wirkungslogik aufzubauen.
