Ich hatte beschlossen, mir das Ganze vor Ort anzusehen, und mich mit Kamera und Tablet auf den Weg nach Nürnberg gemacht. Der Friedhof St. Johannis weist eine Besonderheit auf: Er präsentiert dem Besucher reihenweise liegende Grabsteine, genormt nach dem Fußmaß. Das Richtmaß waren dabei 6 Nürnberger Werkschuhe für die Länge, 3 für die Breite.

Die häufig vorzufindenden eingemeißelten Epitaphen erzählen bildhaft die Geschichte der Verstorbenen. Neue Entwürfe dürfen zwar moderner sein, sind jedoch bis heute vor der Auftragserteilung zur Genehmigung vorzulegen. Man will Neues und Alter zusammenführen, das Gesamtbild soll aber weiter stimmen.
So jedenfalls beschreiben Geschäftsführer Matthias Müller und Epitaphienpfleger Mark Belschner die Vorgehensweise der Friedhofsverwaltung. „Menschen brauchen einen Ort des Innehaltens und der Trauer”, meint Müller nachdenklich. Es sei deshalb wichtig, das Friedhofswesen wieder mehr in das Bewusstsein der heutigen, schnelllebigen Gesellschaft zu rücken – und anzupassen.
Genau diese Idee steckt seiner Meinung nach hinter der App. Sorgen, dass der Ort der Trauer deshalb zu unruhig werden könnte, macht er sich nicht. „Ein Museum ist auch ein öffentlicher Ort, und da ist es auch ruhig drin.“ Und die Interessen der Besucher kollidieren auch jetzt schon: Trauernde treffen auf Busladungen voller Touristen, die das Grab des Malers und Grafikers Albrecht Dürer sehen wollen, des prominentesten unter den Toten hier.
