Eine moderne Reise in die Vergangenheit

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Komplexes System zur Kennzeichnung der Gräber 
„Für den Anfang ganz gut, aber das kann man noch ausbauen“, kommentiert Müller die Zusammenfassung über das Schwanhäußer Grabmal, nachdem er den Erzählungen konzentriert gelauscht hat. Das Gerät war zwischendurch einmal ausgegangen, auch die Verbindung ist mal besser, mal schlechter. Alles in allem lässt es sich aber immer schnell wieder in Gang bringen. Der Unternehmer und Bleistiftfabrikant Gustav Adam Schwanhäußer hatte nicht nur die „Schwan-Bleistift-Fabrik“ zu einem international erfolgreichen Unternehmen ausgebaut, sondern auch den jungen Künstler Gustav Eberlein bei seiner Ausbildung gefördert. Dieser schuf das Denkmal für Gustav Adams Frau, als diese mit 33 an den Folgen der Geburt ihres fünften Kindes starb.

Der weiße Marmorengel wurde nach der Verstorbenen modelliert und bricht mit der Epitaphentradition. Er steht in leuchtendem Kontrast zur roten Johanniskirche und den dunklen Grabsteinen, die ihn umgeben. Die Flügel hat er im Zweiten Weltkrieg verloren. Zwei dunkle Flecken am Rücken des Engels sind der Beweis dafür, dass es sie einmal gab. Alles in allem ist er jedoch gut erhalten, und das obwohl er in diesem Winter bislang nicht „sorgsam verpackt“ worden ist, wie von der App angekündigt.

„Das System muss man verstehen“, sagt Meier als wir weiter gehen. Er meint damit das komplexe System aus Nummern und Buchstaben zur Kennzeichnung der Gräber. Er erinnert sich an eine Frau, die nach Jahren das Grab der eigenen Verwandschaft nicht mehr wiedergefunden hat. „Veit Stoß findet fast keiner, Dürer finden vielleicht 40% der Besucher“, erzählt mir Belschner schmunzelnd. Und das obwohl das Grab des berühmten Bildhauers und Holzschnitzers Veit Stoß zu den ältesten des Friedhofs gehört.

Gräber
Der Johannisfriedhof zählt zu den schönsten und eindrucksvollsten Begräbnisstätten Deutschlands und steht unter Denkmalschutz. In Reih und Glied präsentieren sich die historischen Gräber.

Die Nummern sind auf den alten Gräbern oft kaum noch erkennbar. Dankbar werfe ich einen Blick auf mein Tablet. Auf die Karte, auf welcher jedes der ausgewählten Gräber genau gekennzeichnet ist. Die Struktur des Friedhofs, die an das New Yorker Straßennetz erinnert, hilft bei der Orientierung, auch wenn das Satellitenbild nicht immer der aktuellen Realität entspricht. Hier fehlt ein Baum, dort sind Gräber hinzugekommen. Aber die hinterlegten Fotos zu jedem Grab sind eine enorme Hilfe bei der Suche.

Nach dem Abschied von meinen Begleitern mache ich mich nochmal alleine auf den Weg, um herauszufinden, wie es mir dabei ohne Hilfe ergeht. Und ich stelle erfreut fest, dass man den Erzählungen im Ohr bequem lauschen kann, während man sich umsieht. Die App vermittelt einen Eindruck davon, welche Wunder dieses Meer aus Steinen versteckt hält. Die Symbole ergeben auf einmal Sinn, die Namen bekommen Gesichter und die Steine eine Bedeutung.