„Warum sollen Stiftungen nicht Vorreiter sein?“

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
LinkedIn
URL kopieren
E-Mail
Drucken
Fonds
Achim Lange wechselte nach siebenjähriger Tätigkeit für eine große Hamburger Privatbank als diplomierter Mathematiker im Jahr 2006 zur Hamburger Sparkasse. Als Leiter Portfoliomanagement ist er für die strategische Portfolioausrichtung im Private Banking verantwortlich. Den Hamburger Stiftungsfonds managt er seit seiner Auflage Ende 2007.

Lange: Ich weiß gar nicht, ob eine Stiftung die schwarze Null fordert. Die meisten, die ich kenne, haben bereits eine Aktienquote zwischen 20 und 30%. Auch eine Fremdwährungsquote ist in vielen Stiftungsdepots bereits enthalten. Stiftungen brauchen die schwarze Null nicht, sie brauchen Ausschüttungen. Was nützt das beste Risikomanagement, wenn ich am Ende des Tages vor den Gremien stehe und meinen Stiftungszweck nicht mehr wie gehabt unterstützen kann? Risikomanagement muss für mich vorneweg ansetzen. Eine Stiftung muss Ausfälle im Rentenbereich vermeiden und Aktien ausschließen, die in toten Branchen agieren. Deutsche Versorger oder Banken, da muss ich nicht investieren als Stiftung ob der Regulierung in diesen Sektoren. Das sind Dinge, auf die eine Stiftung bei einem Fonds achten sollte.
Decker: Aus unseren Gesprächen mit Stiftungen wurde uns zurückgespiegelt, dass der Kapitalerhalt an oberster Stelle steht. Um dies zu erreichen, müssen alle Werttreiber eines Portfolios aktiv bewirtschaftet und mit Risikobudget versehen werden. Somit spielt nicht nur die Höhe der Aktienquote eine Rolle, sondern auch das aktive Management der Quoten in den Unterkategorien von Vermögensklassen, also beispielsweise verschiedener Rentengattungen, wie Staats- oder Unternehmensanleihen. Ein Problem, welches gerne ausgeblendet wird, sind die sich permanent ändernden Korrelationen zwischen den Anlageklassen. Auch das verlangt aktives Management in der Stiftung oder in einem Stiftungsfonds.
Erdmann: Würde denn jemand in der Runde eine Anleihe über pari kaufen, weil er den Kupon zur Darstellung der Ausschüttung braucht?
Lange: Wir kaufen Anleihen auch mal über 100, aber nur, wenn ich auch eine entsprechende Position unter pari dagegen stehen habe. Die jüngsten Neuemissionen zum Beispiel konnten wir schön unter pari nachfassen.

DIE STIFTUNG: Womit wir beim aktuellen Umfeld wären. Was treibt Sie gerade um, außer dem Griechenland-Desaster?
Arneth: Die extremen Unsicherheiten, insbesondere die politischer Natur, die man nicht vorhersagen kann. Deswegen steht Risikomanagement für uns an oberster Stelle. Das schlägt sich auch in der eher vorsichtigen Positionierung nieder. Zu Jahresbeginn hatten wir wenig Aktien, die Laufzeiten bei den Anleihen haben wir auch tendenziell verkürzt. Zur Risikodiversifikation setzten wir auf Währungen außerhalb des Euro. Wir konnten die Abschläge bei Aktien und Anleihen entsprechend mit Währungsgewinnen eingrenzen. Insgesamt bleiben wir konservativ aufgestellt. Auf der Aktienseite können wir bei einer Quote von 4% durchaus aufstocken und selektiv Chancen nutzen.
Bruns: 4% Aktienquote? Wie gesagt, mir wäre das zu wenig. Vor allem müssen Stiftungen aufpassen, nicht nur im DAX investiert zu sein, sondern sie müssen ihre Aktienanlagen global aufstellen. Aber nehmen Sie die Deutsche Post. Die Dividende liegt hier bei gut 3%, die Aktie nimmt an der Korrektur teil, aber auf Sicht von fünf Jahren wird dieses Unternehmen deutlich teurer bewertet sein. Wenn ein Stiftungsvorstand längerfristig denkt, dann sollte er solche Anregungen nutzen, um nachhaltig Werte zu schaffen.
Lange: Wir handhaben das Marktgeschehen aktiv, aber mit hanseatischer Gründlichkeit. Wir haben uns über die Ruckelbörse sogar gefreut, weil wir Qualität bei Aktien, Währungen und Anleihen wieder günstiger kaufen konnten. Was wir derzeit sehen, ist ein Schildkrötenzyklus, hier muss ich die Kollegen der DWS zitieren: „Schildkröten laufen zwar langsam, aber wenn sie mal laufen, dann sind sie auch nicht so schnell wieder aufzuhalten.“ Das ist für uns ein passendes Bild für den aktuellen Wirtschaftszyklus.
Decker: Wir waren am Anfang des Jahres sehr konstruktiv gegenüber risikobehafteten Wertpapieren eingestellt, dementsprechend lag die Aktienquote bei annähernd 20%. Auch für Peripherieanleihen waren wir optimistisch. Wir reagieren schnell auf Marktveränderungen und sind seit April mit einer extrem niedrigen Duration unterwegs. Den Renditeanstieg konnten wir also ganz gut abfedern.
Hemmer: Auch wir arbeiten mit internen Limits, die zum Beispiel die Anlage in einzelne Aktien einer Branche auf 25% begrenzen. Zudem steuern wir unser Exposure zur Aktienmarktentwicklung zum Teil auch über die Liquidität des Fonds. In der Dividendensaison halten wir grundsätzlich eine eher niedrige Cashquote, um von den Dividendenzahlungen profitieren zu können – vorausgesetzt natürlich, wir sind zuversichtlich für die kurzfristige Entwicklung der Aktienmärkte.