DIE STIFTUNG: Was Fonds ja leisten können. Wie bekommen wir also das Vermögensmanagement über Fonds noch besser an Stiftungen transportiert?
Arneth: Damit der Entscheider in der Stiftung sagt, „ich fühle mich wohl in dem Fonds“, muss er den Fonds mit seinen Bewegungen im Einzelnen nachvollziehen können. Deswegen finden wir die Idee des Transparenzberichts gut, die Versprechen des Fondsmanagers noch einmal zu verifizieren. Eine Stiftung kann damit ruhiger schlafen, vor allem weil das Risikomanagement noch einmal deutlich wird. Das professionalisiert Stiftungen.
Hemmer: Eine Fondsanlage ist eine der transparentesten Anlagen überhaupt. Monatlich erscheint ein Factsheet, das alle wichtigen Informationen enthält. Auf Wunsch stellt unser Haus auch individuelle Reports zur Verfügung, so dass der Entscheider auf Stiftungsseite immer die Bewegungen im Fonds genau nachvollziehen kann. Außerdem pflegen wir einen guten Dialog mit den Entscheidern auf Stiftungsseite.
Bruns: Stiftungen werden sensibilisiert durch die Kapitalmärkte, und solche Transparenzberichte helfen dabei zusätzlich. Dennoch müssen Stiftungsvorstände sich auch selbst um die Vermögensanlage kümmern, sie können von Fonds viele Informationen einfordern und auch an Fonds enger heranrücken. Aber sie müssen es eben machen, keine Ahnung heißt nicht keine Haftung. Stiftungen müssen sich hier weiterentwickeln.
Decker: Der Verantwortliche für Finanzanlagen in einer Stiftung muss sich mit den Produkten auseinandersetzen, und dafür braucht er Informationen. Je mehr die Fondsanbieter hier liefern, desto einfacher wird es für den Stiftungsvorstand. Das persönliche Gespräch sollten Stiftungen suchen, wir sind da völlig offen, das meinte Herr Bruns sicherlich mit dem Heranrücken.
DIE STIFTUNG: Womit wir bei der 500.000-EUR-Frage wären. Wie sollen wir 500.000 EUR Stiftungskapital heute anlegen?
Arneth: 90% der Stiftungen, die keine eigene Kapitalanlageverwaltung unterhalten, sollten sich mit Fonds beschäftigen. Drei bis vier stiftungsgeeignete Fonds, vielleicht geprüft hinsichtlich der gegenseitigen Korrelation untereinander, das dürfte es dann schon sein.
Erdmann: Das schon, aber ich würde mehr Fonds nehmen. Ob als Dachfonds oder mit Einzelfonds, für mich wären acht Fonds die bessere Zahl. Hinsichtlich der Ausschüttungsgestaltung bin ich bei einem Dachfonds deutlich flexibler. Außerdem hat man dann ein Informationsniveau, das nahe am Transparenzbericht liegen müsste.
Bruns: Wenn eine Stiftung ihre Aktienquote nicht ausgeschöpft hat, dann würde ich diese erhöhen. Zu Lasten der Anleihen. Auch eine 500.000-Euro-Stiftung kann in etablierte Unternehmen investieren, deren Produkte man in 10 Jahren noch braucht, die eine gute Wettbewerbsposition und daraus resultierend eine starke Bilanz haben und deren Vorstände sich nicht selbst bedienen. Solche Unternehmen sind konservativ genug für Stiftungen.
Decker: Eine solche Stiftung mit einem Anlagebedarf in dieser Höhe hat bestimmte Bedürfnisse, die es zunächst abzuklären gilt. Dann kommt der Affinität für einen bestimmten Investment-Ansatz große Bedeutung zu, und erst danach geht es um die Wahl des Instruments. Stiftungen könnten auch mehrere Fonds ins Rennen schicken und nach zwei oder drei Jahren die austauschen, welche nicht geliefert haben. Hier können sich Stiftungen etwas von den Institutionellen abschauen. Auf diese Weise haben sie eher die richtigen Pferde im Stall.
Hemmer: Ich finde, diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Hier spielen die Risikobereitschaft der Stiftung, das Renditeziel und das zugelassene Anlageuniversum eine wichtige Rolle. Eine Stiftung sollte sich immer beraten lassen, wie auf Basis dieses „magischen Dreiecks“ – das oftmals noch Nebenbedingungen ausweist wie zum Beispiel Nachhaltigkeit – angelegt werden sollte.
Lange: Sie haben völlig recht. Es sollte nicht das Produkt im Vordergrund stehen, sondern die Stiftung. Aus der Satzung und der Anlagerichtlinie ergibt sich das Universum, in dem ich mich bewege. Bei Fonds würde ich nach Ausschlusskriterien vorgehen. Fonds, die eine Wertpapierleihe vornehmen, wären bei mir außen vor, und der Fonds müsste eine konstante Ausschüttung zeigen können.
DIE STIFTUNG: Also gilt es, ein Universum stiftungsgeeigneter Fonds zu formen. Haben Sie vielen Dank für die lebhafte und anregende Diskussion.
Durch die Gesprächsrunde, die am Rande der funds excellence stattfand, führte Tobias M. Karow
