Frankfurter Debatte 2015

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DIE STIFTUNG: Wie bitte?
Steinhauer: In solch einer Situation dominiert die Liquidität den Markt, manchmal diktiert sie ihn sogar. Das wiederum treibt die Kurse nach oben, mal stärker, mal schwächer, und immer unterbrochen durch Korrekturen. Die Liquidität ist so etwas wie der Herzschlag der Märkte, etwas Verlässliches, an dem man sich festhalten kann. Leider in meinen Augen mit das einzig Verlässliche. Konjunkturell wird es ja blasser, entsprechend klebt der Markt an der Liquidität. Eine Abweichung von diesem Regime, von diesem Metrum, bedeutet Gefahr, die sofort gespielt wird, woraus Volatilität entsteht. Was ich Stiftungen daher nicht empfehlen kann, ist zu 100% in Aktien zu investieren, klar, aber 50% können es durchaus sein. Denn Schwankungen können Stiftungen eigentlich egal sein, wichtig sind ihnen die Erträge.

DIE STIFTUNG: Also taumeln wir so ein wenig von Blase zu Blase?
Steinhauer: Mein Eindruck ist das, ja. Im Moment haben wir am Aktienmarkt noch keine Blase, aber es wird eine. Die Zinsen werden noch eine lange Zeit niedrig bleiben, und so lange bleibt das Gleichgewicht auch erhalten.
Weinrauter: Ich glaube an gar nichts, was die Zukunft der Märkte betrifft. Ob der Zins niedrig bleibt, ist mir vollkommen egal. Wir reagieren nach der Marktmeinung. Steigt der Zins, agieren wir entsprechend, fällt er, agieren wir ebenfalls entsprechend. Auf diese Weise werden wir nie in die Irre geführt. Die Märkte sind ambivalent wie nie.
Fabian Höhne: Worauf Stiftungen auch bereits reagiert haben, aber in unzureichendem Maße. Die Aktienquoten sind in den vergangenen sieben Jahren gestiegen, die Rentenquoten gesunken, dennoch lässt sich das nicht auf den gesamten Stiftungssektor übertragen. Die großen Stiftungen agieren so, dass sie Aktien höher gewichten, weiten dabei aber auch ihren Anlagehorizont immer mehr. Bei den kleinen Stiftungen ist erkennbar, dass sie stetig kurzfristiger agieren und immer noch stark bei Anleihen engagiert sind. Wir dürfen aber bei der Aktienquote auch nicht vergessen, wie unterschiedlich die Aufsichten die Gewinne aus Aktienanlagen handhaben. In Bayern zählen Kursgewinne zum Beispiel nicht als Gewinne für den Stiftungszweck, sondern hier müssen diese Zuwächse dem Stiftungsstock zufließen, im Rahmen der Umschichtungsrücklage.
Ziener: Das ist dann schon problematisch, denn auf die beiden letzten Jahre gerechnet wurde die Rendite eigentlich im ersten Quartal und in den letzten beiden Monaten des Jahres erzielt. Dazwischen schwankten die Märkte um die Nulllinie. Wer in so einem Umfeld nicht aktiv handeln kann, muss mit der Aufsicht sprechen. Was wir in diesem Umfeld getan haben, war, den Immobilienbereich auszubauchen. Günstiges Fremdkapital für unter 2% (bei einer Zehn-Jahres-Zinsbindung) kompensiert deutlich die hohen Immobilienpreise und führt zu attraktiven Eigenkapitalrenditen.
Peters: An dieser Stelle muss ich beide Arme heben, denn eine kleine Stiftung hat nicht die Möglichkeiten, im Vorbeigehen Immobilien zu erwerben. Oder sie scheut sich, den Aktienanteil auf 50% anzuheben. Wir Stiftungen haben alle den Notstand, dass eine 5%ige Anleihe nur mehr durch einen 0,5%er ersetzt werden kann. Wenn eine Stiftung die Aktienquote von einer homöopathischen Dosis von vielleicht 5% auf 50% steigern möchte, dann schwitzt ihr Vorstand dabei drei Hemden durch. Und was ist, wenn ich 50% Aktien habe, mit den zweiten 50%? Darauf brauchen Stiftungen heute eine Antwort.

DIE STIFTUNG: Aber die bekommen sie nicht!
Peters: Irgendwie schon, aber ein steigender Immobilienanteil heißt für eine kleine Stiftung eben stiftungsgeeigneter Immobilienfonds, die dann mal 3 und mal 7% an sicherem Ertrag bringen. Das lässt eine kleine Stiftung wie die meinige gut schlafen. Ich muss als Stiftung aber nicht nur über die Anlagen nachdenken, sondern auch über die Kosten. Wenn die sicheren Renditen nahe null liegen, der Verwalter oder Produktanbieter aber 1,5% haben möchte, dann werde ich geizig. Modelle, die Vermögensverwaltung beispielsweise an die Wertentwicklung koppeln, könnten für Stiftungen einen großen Reiz haben.
Höhne: Einmal das, daneben scheinen gerade kleinere Stiftungen auch zunehmend das Fundraising für sich zu entdecken, als Ausgleichstrategie zur Kapitalanlage. Das ist aber erst recht gefährlich, denn Fundraising kostet auch Geld. Setzt sich das fort, steht eine noch größere Zahl an notleidenden Stiftungen zu befürchten. Weil die USA schon zitiert wurde – ich kann nur unterstreichen, dass dort Stiftungsvermögen dynamischer veranlagt wird. Kürzlich durfte ich mit dem Foundation Center sprechen, das Problem amerikanischer Stiftungen ist nicht der Niedrigzins oder ausbleibende Erträge, deren Problem ist es, das Geld effektiv auszugeben. Der Unterschied zu den hiesigen Problemen ist beeindruckend.