DIE STIFTUNG: Das ist dann der schwarze Schwan für den Stiftungsvorstand.
Ziener: Ich kann nur wiederholen, wie wir damit umgehen: wir bleiben bei Aktien und Anleihen, denn jede Abstraktion erhöht das Risiko. Als Stiftung kann ich eigentlich entspannt sein, denn die Ertragserwartung liegt bei 5%. Alles was nicht zu Aktien und Anleihen gehört, haben wir ausgelagert. Alternative Investments wie Private Equity haben zwar höhere Chancen, sollten aber von kleineren und mittleren Stiftungen gemieden werden, denn dann kann auch keine negative Überraschung passieren.
Steinhauer: Die Profession der Stiftung ist nicht die Vermögensverwaltung, entsprechend sollten wir sie mit Alternativen Investments verschonen. Vielleicht würde ich zwischen Aktie, Anleihe und Immobilie noch die Wandelanleihe als vierten Baustein berücksichtigen, aber grundsätzlich würde ich bei dem Dreiklang bleiben. Aktienquoten würde ich direkt aufbauen, auf Grundlage entsprechender Informationen, wenn das nicht geht, würde ich es lassen.
Müller: Wenn ich Stiftungen besuche, sind das drei, vier Termine à vier, fünf Stunden, und in diesen Gesprächen haben wir nur über Aktien und Anleihen gesprochen. Wir müssten ja über Forst, Schiffe, Private Equity und sonst was sprechen, am Ende jedoch feststellen, dass die Stiftungsverantwortlichen das meiste davon nicht verstanden haben. Und was ich nicht verstehe, kann ich nicht kontrollieren. Versicherungen folgen der Regel, dass sie Alternative Anlagen verstehen und zerlegen können müssen, dem sollten Stiftungen folgen. Die Stiftung müsste einen sachkundigen Vorstand haben, der sich mit all diesen Dingen auskennt, und das sehe ich noch nicht.
Peters: Mir fehlt der Sparringspartner etwa bei der Bank, der mit diesem vollständigen Wissen mit mir sprechen kann. Wenn eine Versicherung heute sagt, sie investiert in eine Solaranlage oder ein Parkhaus, dann bekommt sie aber auch die Institutionellentranche. Genau die will ich auch haben, aber dafür müssten wir als kleine Stiftungen unsere Vermögen poolen, damit genügend Kapital zusammenkommt. Heute geht das irgendwie noch nicht, aber ich glaube in zehn Jahren gibt es so was. Wir sind ja erst am Anfang des Anlagenotstands, noch tut es nicht so weh.
Höhne: Haben Sie denn eine Meinung zu Infrastrukturanleihen?
Peters: Gibt es da Möglichkeiten zum Pooling?
Ziener: Es ist schwierig, das hinzubekommen. Man muss aber als Stiftung auch nicht immer jede Chance ergreifen. Wir haben uns Infrastrukturanleihen angesehen, das Problem von diesen Investments ist ebenfalls, dass wesentliche Teile der Wertschöpfung abgegeben werden und die Zahlungsströme nur schwer steuerbar sind. Letztgenanntes gilt auch für die Immobilie Wald, die einerseits spannend ist, andererseits aber kontinuierliche Renditewünsche nicht erfüllen kann. Aber: Wer in Wald investiert, verzeichnet durch das Wachstum der Bäume jährliche Zuschreibungen.
Peters: Der Unterschied ist nur, dass Sie einen Wald kaufen können, und ich einen Baum.
Weinrauter: In den letzten 200 Jahren hat der Wald Investoren in drei Phasen das Vermögen gerettet, die Rendite war aber zum Vergessen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir zwar steigende Grundstückspreise gesehen, aber die Erträge sind schon einigermaßen mau. Alternativen zu einer Situation, in der ich mich unbehaglich fühle, sind häufig Marketing und überdecken die Probleme der klassischen Anlageklassen. Alternative Anlagen sind nicht zwingend besser, und sie lösen das Problem nicht unbedingt. Kosten und echtes Risiko sind Parameter, die solche Investments langfristig nicht unbedingt zum Rentensubstitut machen.
Ziener: Eine Immobilie ist für mich auch ein Alternatives Investment, aber sie liefert kontinuierlich ihren Ertrag. Niemand würde die Immobilie in Frage stellen als stiftungsgeeignetes Investment. Stiftungen müssen die richtigen Dinge tun, und gleichzeitig müssen sie die Dinge richtig tun. Bei Immobilien geht das definitiv.
