DIE STIFTUNG: Wir müssen Stiftungen also vom Festgeldkonto wegbewegen.
Steinhauer: Gesetzgeber und Bundesverband arbeiten ja an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen auch für die Veranlagung des Stiftungsvermögens. Es soll flexibler werden, was dann schon ein Teil der Problemlösung ist. Der Niedrigzins hat ja das Problem, dass es keinen Ertrag mehr auf sichere Anlagen gibt. Nach den Landesstiftungsgesetzen müssen Stiftungen aber Ertrag bringend anlegen, also dürften sie im Moment eigentlich gar keine Bundesanleihen mehr kaufen. Die bringen ja derzeit keine Rendite mehr. Stiftungsvorstände gehen damit ein Haftungsrisiko ein, wenn sie eine Bundesanleihe kaufen. Es braucht also den Mut, vermeintlich risikoreichere Investments zu tätigen. Jedoch dürfen Stiftungen Volatilität nicht mit Risiko verwechseln. Volatilität wird dann zum Risiko, wenn ich in einem Kurstal Verluste realisieren muss. Steht wie bei Stiftungen mein Kapitalstamm unendlich zur Verfügung, entstammt der Volatilität kein Risiko.
Weinrauter: Angst und Mut, und die Fähigkeit durchzuhalten, das ist schon herausfordernd für viele Stiftungen. Wenn dann die Kassandras wieder rufen, ist die Verunsicherung vieler Stiftungen doch nur allzu verständlich. Stiftungen müssen das vorher durchdenken, dann sind Schwankungen am Aktienmarkt auch kein Problem.
Peters: Die Verantwortlichen in Stiftungen sind Privatpersonen, die von Natur aus eine hohe Affinität zu Geldmarktkonten haben. In Deutschland schlummern hier meines Wissens nach etwa 2 Bio. EUR. Warum soll dieser Privatmensch als Stiftungsvorstand plötzlich Aktien kaufen, das ist ein Mentalitätsproblem, das wir speziell in Deutschland mit uns herumschleppen.
Weinrauter: Aber vor was habe ich denn eigentlich Angst, wenn ich eine Aktie kaufe?
Peters: Weiß ich auch nicht, vielleicht die Angst, dass ich immer zum falschen Zeitpunkt einsteige. Aber es gibt genügend Studien die belegen, dass es egal ist, wann ich einsteige, Hauptsache ist, ich steige ein. Diese Angst müssen wir uns nehmen, es völlig falsch zu machen. Kein Stiftungsvorstand wird haftbar gemacht, weil die Deutsche Bank zwei Jahre keine Dividende bezahlt.
DIE STIFTUNG: Genau, die Aktienangst bringt uns nicht weiter.
Ziener: Für mich haben die mittelgroßen Stiftungen die eigentliche Herausforderung zu meistern. In den kleineren Stiftungen ist man oft noch selbst die Frau oder der Mann, aber die mittelgroßen Stiftungen haben Personal zu unterhalten und müssen immer mehr externe Kosten schultern, jedoch ist der Rahmen weit schmaler als bei uns Groß-Stiftungen. Das ist eine unternehmerische Herausforderung, dazu braucht es Mut, Vorsicht und Respekt, insbesondere am Kapitalmarkt. Die Empfehlung für diejenigen, die noch keine Aktie haben lautet: Sie müssen dort jetzt engagiert sein, wollen Sie ihr Ziel, einen Überschuss zu erzielen, erreichen. Der Aufbau einer Aktienquote kann dabei sukzessive erfolgen, etwa direkt oder aber über Fonds. Hier kann ich Schritt für Schritt Aktien im Depot höher gewichten. Es kann sein, dass aus Sicht des kommenden Jahres der Einstiegszeitpunkt nicht optimal war, aber langfristig führt kein Weg daran vorbei. Vielleicht sollten sich Stiftungen gerade in diesem Punkt zusammentun.
DIE STIFTUNG: Sie meinen Pooling?
Ziener: Stiftungen müssen sich im aktuellen Kontext neu aufstellen, und da ist Pooling sicher eine gute Möglichkeit. Auf jeden Fall muss die Angst überwunden werden, eine Aktienquote aufzubauen.
Müller: Die Angst scheint ja der Schlüssel zu sein. Nur 7% der Deutschen haben Aktien, und laut dem Deutschen Fondsverband BVI haben jüngst vor allem Rentenpapiere und Rentenfonds die größten Mittelzuflüsse verzeichnet, gefolgt von den Mischfonds. Das Problem der meisten Mischfonds ist, dass sie vielleicht 80% Renten halten, und zirka 20% Aktien, bei gegebenen Kosten. Das kann schon rein rechnerisch in den meisten Fällen nur mehr 2 oder 3% Rendite bringen, und die Mehrheit der Fonds zeigt das auch bereits.
Weinrauter: Stiftungen sollten direkt und sofort ihre Aktienengagements eingehen, das Warten auf den Crash ist meist umsonst. Hinterher wissen wir, warum die Kurse gestiegen sind. Die von uns betreuten Stiftungen investieren in einer Bandbreite von 20 bis 40% in Aktien, nicht niedriger aber auch nicht höher. Hängt immer davon ab, wie viel Aktie ein Stiftungsvorstand „ertragen“ kann.
Steinhauer: Für uns ist die Größe der Stiftung schon ein Faktor, den wir berücksichtigen, am besten ist das Direktinvestment. Ansonsten müsste sich eine Stiftung eines Fonds bedienen, wobei ich keinen Mischfonds kaufen würde. Als Stiftungsvorstand möchte ich selbst entscheiden, wie hoch die Aktienquote sein soll, außerdem ist im Mischfonds die Rentenseite sowieso stets zu teuer. Timing würde ich auch nicht versuchen, dafür würde ich mathematisch an die Sache herangehen. Will ich 40% Aktienquote aufbauen, setze ich zunächst 70% dieser Maximalquote ein. Fällt der Aktienmarkt um 30%, setze ich den Rest ein. Holt der Aktienmarkt dann die Verluste wieder auf, kann ich infolgedessen den 30%-Puffer wieder abbauen. Somit ist eine Stiftung selten voll investiert, die Aktienquote atmet, und sie hat stets Pulver trocken, um bei fallenden Kursen nachfassen zu können.
