DIE STIFTUNG: Lassen Sie uns das alles noch einmal zusammenfassen. Würde sich jeder dazu hinreißen lassen, eine Empfehlung für einen Anlagevorschlag abzugeben?
Müller: Aus Risikoüberlegungen heraus würde ich den Mischgedanken im Portfolio berücksichtigen. Aktienquoten von 20 oder 30% halte ich für die Untergrenze, der Bargeldanteil sollte heute bei 20% liegen. Der Rest kann in Anleihen investiert sein. Wichtig ist, Gewinne bei den Aktien laufen zu lassen, damit erhöht sich die Aktienquote sukzessive. Dabei wird uns die Volatilität begleiten, nur müssen sich Stiftungen hiervon frei machen. Keiner weiß doch, wie das kommende Jahr wird, aber wenn ich die Wahl habe zwischen 3% Dauerverzinsung bei der Aktie und 1,5% bei einem gemischten Anleiheportfolio, dann ist der Cashflow aus der Aktie erst einmal höher. Da Dividenden zudem weniger stark schwanken, wäre es mir wichtig, das mitzunehmen. Und wenn es wieder mal knallt, dann verwende ich die Kasse von 20 oder 30% um sukzessive nachzukaufen, bei Aktien und Anleihen.
Steinhauer: Ich erneuere mein Plädoyer für Sachwerte, denn in Anlagen oder Unternehmen, in denen Menschen arbeiten, zu investieren, hat eine Grundlage für einen Ertrag. Leihe ich jedoch jemandem Geld, ist die Grundlage Vertrauen. Wie stark oder weniger stark dieses derzeit ausgeprägt ist, darüber können wir nur streiten. Die Aktienquote würde ich nur so hoch fahren, wie ich es als Stiftungsvorstand ertrage. Die Frage muss immer sein, wieviel Verlust ertrage ich, wenn es an der Börse rumpelt. Viele Aufsichten gucken heute weniger kritisch auf die Aktie, davon bin ich überzeugt. Dazu würde ich kurzlaufende Anleihen oder Immobilien beziehungsweise Immobilien-abbildende Erträge anlegen, auch wenn ich bei Immobilienfonds einen Teil der Wertschöpfung abgebe. Aber den Ertrag von Immobilien kann ich gut abschätzen, und kleinere Stiftungen müssen eben den Umweg über einen Immobilienfonds gehen.
Weinrauter: Was hält denn Stiftungen davon ab, Aktien höher zu gewichten? Das haben wir uns gefragt. Es ist die Angst vor der Schwankung und vor dem Verlust. Beides ist kurzfristig nachvollziehbar, langfristig jedoch nicht. Ein Rentenanteil von 50% kann immer noch ein Anker sein, um dieser Angst ein Gegengewicht gegenüberzustellen. Die Höhe der Aktienquote muss wiederum zur Stiftung passen, zwischen 20 und 40% würde ich den Aktienanteil schwanken lassen. So eine Allokation kann liefern, aber wenn eine Anleihe keinen Zins mehr hergibt, wenn es der Markt nicht hergibt, kann keiner zaubern, wenn er in Anleihen investiert. Gegebenenfalls muss eine Stiftung dann auch ihre Zweckausreichungen reduzieren und den Realitäten der Einnahmeseite anpassen.
Höhne: Für mich ist es entscheidend, als Stiftung zu überlegen, woher ich komme. Habe ich bislang zum Beispiel keine Immobilien gehalten, kann ich nicht voll in Immobilien investieren. Zwischen 20 und 40% als Aktienanteil kann ich mir sehr gut vorstellen, unsere Studie hat 33% als das optimale Aktienniveau herausgestellt. Gleichzeitig sollte die Anleihe nicht verteufelt, lang laufende Papiere aber in ihrem Gewicht reduziert werden. Rebalancing sollten Stiftungen durchführen, also gut laufende Positionen wieder auf ihr Ausgangsmaß zurechtstutzen und im Gegenzug gefallene Papiere aufstocken. Das Risiko, das man eingeht, das sollte ausgeglichen werden, das kann auch bei kleineren Stiftungen gut funktionieren. Wir stellen auch fest, dass kleinere und mittelgroße Stiftungen die immer als Leitlinie formulierten 4% nicht mehr schaffen, sondern dass man sich eher den 3% annähert.
Ziener: Grundsätzlich finde ich es schwierig, so einen vorgefertigten Ratschlag zu geben. Einmal weil wir so viele unterschiedliche Stiftungen haben, zum anderen weil das strategische Ziel der Stiftungen die satzungsgemäße Verwendung der Erträge ist. Stiftungen fragen sich, wo sie gesellschaftliche Wirkungen entfalten können. Dazu müssen sie sich auch fragen, ob sie dafür auf der Einnahmeseite ins Risiko gehen wollen. Für die kleineren Stiftungen würde ich überlegen, das Kapital zu bündeln, denn das vergrößert die Manövriermasse sowohl auf Seite der Veranlagung als auch auf Seite der Zweckausgaben. Wenn ich bei der Anlage bleibe, würde ich mir dividendenstarke Aktien suchen, da sind mir dann die Schwankungen tendenziell egal, gleichzeitig bleibt mir eine gewisse Grundausschüttung. Ob es 20, 30 oder 40% sein müssen, das müssen sich Stiftungen jeweils rantasten, aber eines ist klar: ohne Aktien geht es heute nicht mehr. Auch die Immobilie würde ich nicht außen vor lassen, denn die Anlageform hat das, was eine Stiftung braucht. Das Element des Substanzerhalts ist enthalten, aber auch der kontinuierliche Zahlungsstrom. Für jede Investmentform gilt, dass sie richtig und gut bewirtschaftet wird.
Peters: Aktuell habe ich 50% in Aktien, 35% in Renten und 15% in Cash. Mich überrascht die Einschätzung der Vermögensverwalter, die Anleihen immer noch zu hoch gewichten, jedenfalls für meinen Geschmack. Natürlich verlangen die Kunden dieses vorsichtige Vorgehen, aber wer jetzt immer noch nicht verstanden hat, dass er in die Aktie gehen muss, der tut mir leid. Stiftungen sollten in die Aktie gehen, mit welchem Anteil auch immer. Der Leidensdruck wird dann maximal, wenn die letzten Anleihen mit 4 oder 5% Kupon auslaufen, aber ich weiß mir zu helfen. Beispielsweise addiere ich die Ergebnisse der Stiftungsfonds aus DIE STIFTUNG und errechne den Durchschnitt der erzielten Performance. Mein Ziel ist es, da drüber zu liegen, und das ist zu schaffen. Mit 90% Anleihen jedoch nicht.
DIE STIFTUNG: Ein Appell zum Schluss, der aufrüttelt. Meine Herren, haben Sie ganz herzlichen Dank für die vielfältigen Anregungen und die zugleich äußerst lebendige Runde.
Durch die Frankfurter Debatte führte Tobias M. Karow.
