Frankfurter Debatte 2015

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DIE STIFTUNG: Danke, dass Sie es an dieser Stelle mal ganz konkret machen.
Steinhauer: Stiftungen brauchen an diesen Punkten Hilfe. Was nützt es, wenn ich als Stiftung Aktien habe, aber keine Mechanik dahinter für den Fall, dass der Markt steigt oder aber fällt. Solche Modelle würde ich in Stiftungen diskutieren, auch hinsichtlich eines möglichen Engagements in Fonds.
Weinrauter: Wichtig wäre mir hierbei, dass ich ein Gefühl bekomme, ob der Fondsmanager für seine Gebühr etwas leistet. Angenommen, er ist kostet 0,6% Verwaltungspauschale, dann ist er seinen Preis wert. Oder eben nicht. Für Leitzinsen von 0,6% oder 6% kann er nichts, für seine Leistung jedoch schon. Fondsmanager müssen liefern.
Müller: Was derzeit Probleme hat, sind Wertsicherungskonzepte, die ja weltweit eine Modeerscheinung geworden sind. Wer das probiert hat, wird dem jetzt abgeschworen haben, denn die Verlustschwellen, die dort eingebaut sind, wurden im August und September entweder wieder oder zumindest erstmals gerissen. Ich kann derlei Stiftungen nicht empfehlen. Stiftungsvorstände haben Arbeit damit, bekommen derzeit nichts dafür, und haben auch noch ein Risiko vor der Brust. Eine Win-Win-Situation sieht anders aus. Die größeren kaufen Aktien direkt, die kleineren oder jungen Stiftungen sollten Mischfonds kaufen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich hier einen Puffer aufbaue, ist schlichtweg am größten. Eines sollte der Fondsmanager jedoch nicht tun. Wenn es kracht, unten Gewinne mitnehmen und Verluste realisieren.
Peters: Es gibt keine Lösung für alle Fälle. Bei den niedrigen Zinsen habe ich zwei Probleme. Ich akzeptiere keinen Ausgabeaufschlag, …

DIE STIFTUNG: … wobei viele Stiftungen nicht wissen, wie sie den Ausgabeaufschlag vermeiden …
Peters: … und ich akzeptiere keine hohen Total Expense Ratios[1] mehr. Immer mehr Banken bieten Stiftungen ein kostenfreies Depot, und es gibt Dienstleister, die von der Total Expense Ratio einen Teil an Stiftungen zurückgeben.
Weinrauter: Das Problem ist nicht das Produkt, sondern das Phänomen dass Anleger eigentlich selten die Wertentwicklung eines Fonds voll mitmachen. Der Magellan Fonds von Peter Lynch war in den 1990ern einer der erfolgreichsten Fonds der Welt. Eine Untersuchung zeigte, dass Anleger ihn nur nie in der Phase hielten, in der er Outperformance erzielte. Sie stiegen hoch ein und tief wieder aus, ließen sich von Rücksetzern aufs Glatteis führen.
Höhne: Am Ende zählt, sich diversifiziert aufzustellen. Die großen Stiftungen agieren ja wie Fonds. Für viele Stiftungen ist eine Aktienquote von 30% so eine Art magische Schwelle, aus Sicht des Regulierers gibt es keine Grenze. Stiftungen müssen und sollten diversifizieren.
Ziener: Da bin ich bei Ihnen, wobei es auch anders geht: Unternehmensstiftungen zum Beispiel sind teilweise zu 100% in einer Aktie investiert, das geht auch. Wichtiger ist mir an dieser Stelle neben der notwendigen Diversifizierung aber das „Wie“: ein Fonds ist eine Abstraktionsebene, hier investiert eine Stiftung nicht direkt in ein Unternehmen. Das Grundgeschäft ist die Aktie, eine Ableitung davon ist der Fonds. Warum soll ein Fondsmanager Teile unserer Wertschöpfung abgreifen? Die Prüfer schauen ja auch, ob die Gewinnerzielungsabsicht ableitbar ist aus dem Handeln. Allerdings, und das wissen wir auch, können wir uns eigene Mitarbeiter leisten, genauso wie sich kleinere Stiftungen eine Dienstleistung, etwa eines Fondsmanagers, einkaufen können und sollten. Den richtigen zu finden, ist die Herausforderung.
Höhne: In der Kapitalanlage einer Stiftung ist am Ende entscheidend, was realisiert wird. Die Stiftungsaufsicht hat kein Problem, wenn eine Aktie mal Buchwertverluste einfährt und die Stiftung bei Aktie oder Fonds davon ausgeht, dass die Verluste wieder aufgeholt werden. Wichtiger sind die ordentlichen Erträge, und die können gerade die kleineren über Mischfondskonzepte erzielen, bei denen sie sich um eigentlich nichts mehr kümmern müssen. Wir sind immer noch an dem Punkt, dass viele Stiftungen Anleihen mit einem 4%-Kupon halten, nur laufen diese in Bälde aus. Wer jetzt aber in Anleihen reinvestiert und sich nicht an eine Aktienquote herantastet, macht einen Fehler. Als Stiftung muss ich investieren.

DIE STIFTUNG: Als Stiftung darf ich nicht nichts tun.
Peters: Genau, es kann sein, dass da dann mal der Vorstand haften muss, weil er Jahre lang nichts gemacht hat.

 

[1] Total Expense Ratio = Gesamtkostenverhältnis eines Fonds in %